Lymphom kutanes (Übersicht)
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Lymphom kutanes (Übersicht)C84.5

Synonym(e)

Cutaneous lymphoma, CL, Lmyphome der Haut, Lymphom der Haut, Hautlymphome, Hautlymphom, kutane Lymphome; Lymphome kutane;   

Definition

Kutane Lymphome (CL) gehören zur Gruppe der extranodalen Non-Hodgkin-Lymphome. Sie definieren sich als progressive, von der Haut ausgehende oder die Haut primär befallende, heterogene, maligne Neoplasien des lymphatischen Systems unbekannter Ätiologie. CL entstehen definitionsgemäß in der Haut und bleiben in der Regel über längere Zeit (mindestens 6 Monate) auf das Hautorgan beschränkt, während sekundäre kutane Lymphome von disseminierten, primär nodalen oder extranodalen Lymphomen ausgehen. Primäre CL umfassen ein weites, klinisch und histologisch heterogenes Spektrum lymphoproliferativer Neoplasien, wobei 65% der CL den kutanen T-Zell-Lymphomen, 25% den kutanen B-Zell-Lymphomen und 10% weiteren, seltenen Formen von CL zugeordnet werden können.

Einteilung

  • Grundsätzlich können die kutanen Lymphome (CL) den "nodalen" (ausgehend von den Lymphomen am Lymphknoten) Lymphomen gleichgestellt werden. Allerdings müssen die Besonderheiten des hautspezifischen Terrains (Rezirkulation, Homing-Phänomene, Tropismus der T-Lymphozyten für Strukturen des Oberflächen- und des Adnexepithels) berücksichtigt werden, die die Vorgaben der seit den 70gern des letzten Jahrhunderts bestehenden Kiel-Klassifikation modifizieren. Die EORTC-Klassifikation und die aktuelle WHO-Klassifikation beschreiben nosologische Entitäten, die durch klinische, histo- und zytomorphologische sowie phäno- und genotypische Merkmale definiert sind. Da die EORTC-Klassifikation der Vielfalt und den Besonderheiten der kutanen Lymphome besser gerecht wird als die aktuelle WHO-Klassifikation, empfiehlt es sich, beide Klassifikationen parallel zu verwenden (Level of evidence IV).
  • Die "nodalen" Einteilungen der Non-Hodgkin-Lymphome sind bezüglich ihrer grundsätzlichen Unterteilung in B- und T-Zell-Lymphome auf die kutanen Lymphome (CL) übertragbar. Somit verfolgen alle gängigen Klassifikationen der CL dieses dualistische Prinzip mit Unterscheidung in:
    • Kutane T-Zell-Lymphome (CTCL) - etwa 70% aller kutaner Lymphome
    • Kutane B-Zell-Lymphome (CBCL) - etwa 20% aller kutaner Lymphome
    • Neoplasien unklarer Linienzuordnung und Differenzierung (CD4+ CD65+hämatoderme Neoplasie - blastisches NK-Zell Lymphom)   
      Weitere seltene kutane Lymphome - etwa 10% aller kutaner Lymphome
  • Für alle kutanen Lymphome gilt darüber hinaus ein Einteilungsprinzip nach:
    • Primär kutane Lymphome (keine weitere Organmanifestation zum Zeitpunkt der Diagnosestellung)
    • Sekundär kutane Lymphome.

Diese Unterteilung betrifft in erster Linie die kutanen B-Zell-Lymphome und nur in zweiter Linie die kutanen T-Zell-Lymphome. Dieses Unterscheidungsprinzip hat grundsätzliche diagnostische und therapeutische Bedeutung.

  • Hinsichtlich ihrer biologischen Charakteristika werden auch die kutanen Lymphome nach prognostischen sowie zytologischen/immunhistologischen Kriterien unterteilt in:
    • Lymphome mit guter Prognose (Indolente kutane Lymphome; mittlere Überlebenszeit > 5 Jahre)
    • Lymphome mit mäßiger Prognose (mittlere Überlebenszeit 2-5 Jahre)
    • Lymphome mit schlechter Prognose (aggressive kutane Lymphome; mittlere Überlebenszeit < 2 Jahre).
  • Verwirrend und wenig einheitlich hingegen sind die Unterteilungen der CTCL. So beziehen sich die vorliegenden Klassifikationen im Wesentlichen auf das niedrig-maligne T-Zell-Lymphom vom Typ der Mycosis fungoides und ihrer erythrodermisch-leukämischen Variante, dem Sézary-Syndrom. Beide Krankheitsbilder werden auch in den unterschiedlichen nodalen Klassifikationen als Entitäten anerkannt. Hieraus resultiert für das CTCL nach allgemeinen klinischen Gesichtspunkten ein Häufigkeitsprinzip, das zu folgender (gedanklicher) Unterteilung führt:
    • Kutane T-Zell-Lymphome vom Typ der Mycosis fungoides
    • Kutane T-Zell-Lymphome vom Typ der "Non-Mycosis fungoides".
  • Einige Lymphome lassen sich wegen fehlender Oberflächenmarker immunologisch nicht einordnen. Durch immunhistochemische und molekularbiologische Methoden (s. CD-Klassifikation) gelingt in vielen Fällen die korrekte Phänotypisierung, Klassifikation und z.T. Prognosestellung.

Vorkommen/Epidemiologie

  • Die Haut ist neben dem Gastrointestinaltrakt das häufigste Manifestationsorgan maligner non-Hondgkin-Lymphome, mit einer Inzidenz von 0,5-1,0/100.000 Einwohner/Jahr.
  • In größeren Studien wird die Mycosis fungoides am häufigsten gefunden (etwa 30% der Lymphomfälle), gefolgt von dem Keimzentrumslymphom (16.9%) und der Lymphomatoiden Papulose (15.9%).

Manifestation

CL niederer Malignität kommen fast nie bei Patienten unter 20 Jahren vor. CL hoher Malignität zeigen 2 Manifestationsgipfel: 5.-15. LJ und 60.-70. LJ.

Klinisches Bild

  • Grundsätzlich können bei Lymphomen unspezifische und spezifische Hautveränderungen beobachtet werden. Unspezifische Hautveränderungen verbergen sich unter ekzematösen, lichenoiden oder ichthyosiformen, häufig pruriginösen, exanthematischen Krankheitsbildern.
  • Die kutanen-B-Zell-Lymphome erscheinen in ihrer klinischen und auch histologischen Ausprägung eher monomorph, charakterisiert durch meist indolente, solitäre aber auch disseminierte, glatte, rote bis braunrote Papeln und Knoten mit  knotigem dermalem und subkutanem Infiltrat bei intakter Epidermis und meist freiem Grenzstreifen.
  • Hingegen ist das klinische und histologische Bild der  kutanen T-Zell-Lymphome ausgesprochen vielgestaltig und reicht von der "Ichthyosis-artigen" Mucinosis follicularis, der Parapsoriasis en plaques mit ihren großflächigen psoriasiformen oder ekzematösen Plaques, bis hin zur Erythrodermie. Ebenso werden ulzerierte oder nicht-ulzerierte, kleinpapulöse oder großknotige Läsionen (0,5 cm bis 15,0 cm)  gefunden. Die Herde treten solitär oder disseminiert auf, sie neigen zur Konfluenz. Nicht selten beobachtet man eine Anordnung ausgerichtet nach den Spaltlinien der Haut. Dies gestaltet die eindeutige klinische und auch histologische  Zuordnung als ausgesprochen schwierig und setzt große persönliche Erfahrungen voraus.

Therapie

Primäre CL und sekundäre CL (nodale oder extrakutane Lymphome) gleicher Zytomorphologie unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer klinischen Manifestation, aber auch hinsichtlich der therapeutischen Maßnahmen sowie der Prognose. Zu den jeweiligen Therapiestrategien s.u. den einzelnen Krankheitsbildern. Hinsichtlich der supportiven Therapiemaßnahmen s.u. Zytostatika, supportive Therapie.

Verlauf/Prognose

Die 5-Jahres Überlebenszeit wird bei der Mycosis fungoides mit etwa 80 % angegeben, mit 90% für das Primär kutan anaplastische großzellige B-Zell-ymphom, mit 100% für die Lymphomatoide Papulose, mit 98% für das Primär kutane Keimzentrumslymphom, mit 100% für das Primär kutane Marginalzonenlymphom und zu 63.2% für das Großzellige B-Zell-Lymphom des Beines.

Literatur

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  6. Willemze R, Meijer CJ (2000) EORTC classification for primary cutaneous lymphomas: a comparison with the R.E.A.L. Classification and the proposed WHO Classification. Ann Oncol 11: 11-15
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